22.11.2011 Alter: 8 yrs

IGEL GEFUNDEN - WAS NUN?


Tierliebe allein genügt nicht, um hilfsbedürftigen Igeln sachgerecht zu helfen. Igelfinder sollten sich unbedingt mit einer Igelstation und/oder einem Tierarzt in Verbindung setzen. Dort wird der Igel medizinisch behandelt und fachkundiger Rat erteilt, ohne welchen viele kranke und verletzte Igel zu einem qualvollen Tod verurteilt sind.    


Welche Igel brauchen Hilfe?

Hilfsbedürftig sind verletzte Igel ebenso wie kranke Igel, die man meist daran erkennt, dass sie tagsüber herumlaufen, um Futter zu suchen. Kranke Igel sind apathisch, rollen sich kaum ein und sind oft abgemagert. Ihre Augen stehen nicht halbkugelig hervor, sondern sind eingefallen und schlitzförmig.

Außerdem dringend pflegebedürftig sind verwaiste Igelsäuglinge, die sich tagsüber außerhalb ihres Nestes befinden, noch geschlossene Augen und Ohren haben und sich kühl anfühlen. Und natürlich Igel, die nach Wintereinbruch, d.h. bei Dauerfrost und/oder Schnee herumlaufen.

Vorsicht: Ausnahmen bilden aufgestörte Igel!

Wenn Laub- oder Reisighaufen entfernt, Holzstapel abgebaut, in Garten und Parks gearbeitet, Baumaßnahmen begonnen werden oder Hunde herumstöbern, können Igelnester zerstört sein. Dann sucht auch ein gesundes Tier tagsüber einen neuen Unterschlupf.

In Deutschland ist es generell verboten, Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen. Die Gesetzesvorschriften erlauben jedoch, hilfsbedürftige Igel gesund zu pflegen und so bald wie möglich wieder in die Freiheit zu entlassen.

 

Checkliste Erste Hilfe

Grundsätzlich gilt, dass jegliche Behandlung eines hilfsbedürftigen Igels erst nach Erreichen der normalen Körpertemperatur (ca. 36° C) erfolgen darf!

> Pflegeprotokoll anlegen!

Funddatum, -uhrzeit, -gewicht und genaue Fundstelle, Gewichtszunahme, Tierarztbesuche, verabreichte Medikamente eintragen.   

> Igel auf Verletzungen untersuchen!

Dazu muss man auch Kopf, Bauchseite und Beine inspizieren.

> Unterkühlte Igel wärmen!

Eine mit handwarmem Wasser gefüllte Wärmeflasche mit Frotteehandtuch umwickeln, in einen legen, Igel darauf setzen und mit Handtuch zudecken.

> Außenparasiten entfernen!

Fliegeneier und –maden sowie Zecken sorgfältig mit einer Pinzette entfernen. Igelflöhe lassen sich am besten mit einem speziellen Spray aus der Zoohandlung oder vom Tierarzt entfernen.   

> Igelgehege mit Schlafhaus herrichten!

Igel sind Einzelgänger. Jeder Igelpflegling braucht also eine eigenes Gehege mit ausreichend Platz (ca. 2 qm Fläche und 50cm Höhe) und ein Schlafhäuschen.    

> Füttern!

Katzen- oder Hundedosenfutter oder Hackfleisch (kurz anbraten, nie roh geben!) oder Rührei (ohne Gewürze, aber mit etwas Öl in der Pfanne garen). Zum Trinken ein Schüsselchen Wasser (niemals Milch). Schwachen Tieren mittels einer Plastik-Einwegspritze lauwarmen, ungesüßten Fenchel- oder Kamillentee einflößen. Frisst der Igel in der Nacht nach der Aufnahme nicht von selbst, ist unverzüglich der Tierarzt oder die Igelstation zu benachrichtigen, da er dann meist Flüssigkeit per Injektion oder „Zwangsfütterung“ benötigt.   

> Grundregeln der Hygiene beachten und nach jedem Kontakt mit dem Igel gründlich die Hände waschen!

> Kot für Untersuchung sammeln!

Kotuntersuchungen sind bei Igeln ungemein wichtig, denn sie geben Aufschluss über die Menge und Art des Befalls mit Innenparasiten und über bakterielle Infektionen. Den Kot von zwei Tagen beim Tierarzt oder in der Igelstation abgeben, um diesen im Labor untersuchen zu lassen.   

> Tierarzt und/oder Igelstation aufsuchen!

Ein kranker oder verletzter Igel ist dringend auf fachmännische Hilfe angewiesen - Unterkunft und Nahrung allein helfen ihm nicht. Deshalb sollte man in jedem Fall und so bald wie möglich eine Igelstation und/oder den Tierarzt aufsuchen. Verletzungen zu versorgen ist Sache des Tierarztes. Außerdem kann er mit entsprechenden Präparaten auch sehr geschwächten Tieren helfen.  

> Gesunde Igel sofort wieder freilassen!

Haben Tierarzt oder Igelstation erkannt, dass das aufgenommene Tier keiner menschlichen Hilfe bedarf, muss der Igel umgehend an seinen Fundort bzw. in dessen unmittelbare Nähe zurückgebracht werden.

 

Winterschlaf in menschlicher Obhut

Erreicht ein in menschliche Pflege genommener Igel ein für den Winterschlaf ausreichendes Gewicht (600 bis 700g) erst sehr kurz vor Wintereinbruch oder gar danach, muss man bis zum Frühjahr warten, ehe man ihn in die Freiheit entlässt. Doch sollte man einem gesunden Tier auch bei häuslicher Überwinterung unbedingt Gelegenheit zum Winterschlaf geben.

Solange der Igel gesund gepflegt und aufgefüttert wird, muss er in einem warmen Raum untergebracht sein. Für die Zeit des Winterschlafs soll er jedoch an einen Ort mit niedrigen Temperaturen gebracht werden. Man stellt das Igelgehege in ein sehr kaltes Zimmer, auf den Balkon, auf die Terrasse, ins Gartenhäuschen oder man baut ein Freigehege im Garten. Kellerräume sind meist ungeeignet, da sie zu warm sind.

Das bisher benützte Schlafhäuschen setzt man in einen etwas größeren Karton oder Holzhäuschen (etwa 40 cm Kantenlänge) und isoliert zwischen beiden Häusern sowie Ober- und Unterseite mit reichlich zusammengeknülltem Zeitungspapier.

Nachdem man den Igel in sein Winterquartier gebracht hat, füttert man ihn solange weiter, bis er das Futter nicht mehr anrührt. Will ein Igel partout nicht schlafen gehen, so entzieht man ihm für 3 Tage jegliche Nahrung und stellt nur frisches Wasser bereit.

Hat sich der Igel dann offensichtlich zum Winterschlaf zurückgezogen, klebt man mit zwei Stückchen Klebeband ein Blatt Toilettenpapier vor das Schlupfloch. So kann man - ohne ins Schlafhaus zu fassen - auf einen Blick erkennen, ob das Tier wieder aufgewacht ist. Wer beunruhigt ist, kann vorsichtig ins Schlafhaus hineinschauen. Ein schlafender Igel ist so zusammengerollt, dass man nur Stacheln sieht. Berührt man ihn, richten sie sich im Zeitlupentempo auf. Bei einem toten Igel sieht man meist Pfötchen und Kopf.

 

Auswilderung

Wenn der Igel aus dem Winterschlaf aufwacht (meist Ende März bis Mitte April) hat er stark an Gewicht verloren. Würde er um diese Jahreszeit in die Natur entlassen, so würde er nur wenig Futter finden. Zudem hat er „draußen“ kein Winterschlafnest, in das er sich bei nochmaligen Frosteinbrüchen zurückziehen kann. Er muss also zunächst aufgefüttert werden, bis er soviel wiegt wie vor dem Winterschlaf. Das dauert etwa zwei bis drei Wochen. Dann geht es zurück in die Freiheit!

 

Quelle: Igel e.V.

Weitere Infos unter: www.pro-igel.de

 

Nächstgelegene Igelstation:

IGELSTATION GERBRUNN

Gudrun Martin

0931 / 3038 9608 0931 / 61 30 70